Niemand weiss, wohin es geht

Bei den Überraschungsreisen des Ostschweizer Start-ups „Surp“ erfährt man erst am Flughafen, wohin man reist.
Von: Elisha Schuetz

Der Beitrag erschien in Ausgabe 10/2017 der Travel-Inside.

Reisevorbereitungen nehmen eine gewisse Zeit in Anspruch – und die Diskussion über das Destinationsziel gemeinsam mit Freunden kann schon einmal ins Uferlose ausarten. Dieser Prozess war Andreas Näf viel zu umständlich – er wollte eine neue Stadt mit Kollegen kennenlernen, wobei völlig offen war, wohin es gehen würde.

Also beauftragte er Reisebüros, ihm Offerten zu unterbreiten, die im entsprechenden Budget liegen sollten. Mit dem Ergebnis war er nicht zufrieden, „denn ich hatte weder gross Zeit noch Lust, mich eingehend beraten zu lassen, wie dies die Berater erwarteten“, so Näf. So entstand die Idee zu Surp (kurz für Surprise).

Seine Beiden Studienkollegen Marcial Bollinger und Nicole Bollinger, die mit ihrer „Weitblick“-Online Agentur über das nötige Wissen verfügten, baute Näf eine Webpage mit dem Ziel, Überraschungsreisen anzubieten, Reisen ins Unbekannte, Nervenkitzel inklusive. Die Zielgruppe sind spontane Personen, die ein Stadt unvoreingenommen entdecken möchten, ohne die Reise schon im Vornherein zu verplanen.

„Grundsätzlich versuchten wir, alles möglichst simpel zu halten. Deshalb sind unsere einzigen Produkte drei- bis viertägige Städtereisen, wobei man erst am Flughafen erfährt, wohin man fliegt“, erklärt Näf. Die Preise starten datumsabhängig ab CHF 442 pro Person – inbegriffen sind ein Direktflug ab Zürich oder Basel und ein zentrales Drei- bis Viersternehotel inklusive Frühstück. Die Kunden können drei Städte angeben, die nicht in Frage kommen – alles andere ist offen. Kurz vor der Abreise erhält der Reisende einen Wetterbericht und einen orangen Umschlag, den er erst am Flughafen öffnen darf. Erst dann erfährt er, wohin die Reise geht.

Die drei Gründer Andreas Näf, Marcial Bollinger und Nicole Bollinger arbeiten mit verschiedenen lokalen Reisebüros zusammen und stehen in ständigem Austausch: „So können wir das Feedback unserer Reisenden direkt einfliessen lassen und die Überrschungsreisen stetig verbessern.“ udem würden sie durch die Zusammenarbeit mit den reisebüros auch über Kundengeldabsicherung verüfgen. Kommission erhalten die Jungunternehmer nicht; entweder sie können eine Reise zum festgesetzten Preis organisieren und erwirtschaften einen kleinen Gewinn – oder er beleibt aus.

Man stecke noch in der Anfangsphase und evaluiere, wie gross der Bedarf an solchen Reisen sei und wie die Preise angesetzt werden müssen. „Es kann auch einmal vorkommen, dass wir bei einer Reise darauflegen müssen, doch dies kommt zum Glück nur selten vor“, räumt Näf ein. Ihr Vorteil liege darin, dass sie flexibel bei den Destinationen seien und auf starke Nachfragen und höhere Preise reagieren und auf eine andere Stadt ausweichen könnten.

Dieselbe Strategie fahren auch Bbacksoon und Unplanned (siehe Box). Inwieferen können sich die drei Neo-Tourisitiker von dieser Konkurrenz differenzieren? „Ganz ehrlich: Wir haben uns noch nicht wirklich mit den Mitbewerben befasst“, sagt Näf. Sie hätten sich bisher voll und ganz auf den Ausbau der Webpage konzentriert.

„Wir als Gründer haben alles selbständig erarbeitet und aufgebaut, wir wissen bis ins kleinste Detail Bescheid.“ Wenn man die Reisebürolandschaft betrachte, so habe es durchaus Platz für neue Nischenanbieter, so Näf.